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Themenwoche Integration

 

Themenwoche: Wege tĂŒrkischer Gastarbeiter

Hubertus-Schwartz-SchĂŒler gehen auf Spurensuche

Woher kamen sie damals? Wohin gingen sie dann? Wo stehen sie heute?

Sind sie angekommen? Oder fĂŒhlen sie sich noch fremd? Mit solchen Fragen beschĂ€ftigten sich SchĂŒler des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs, die auf Spurensuche gingen und Stationen skizzierten. Sie zeigten Wege der Integration tĂŒrkischer Gastarbeiter im Kreis Soest auf – reichlich Stoff, um eine komplette Themenwoche zu fĂŒllen.

Programm

Mo., 26. Nov. 2012  

Eröffnung durch Frau LandrĂ€tin Eva Irrgang anschließend Rundgang durch die Ausstellung

Lesung: Frau Akbas: „So wie ich will: Mein Leben zwischen Moschee und Minirock“

Di., 27. Nov. 2012   Besuch der Moschee in Soest
Mi., 28. Nov. 2012   "Almanya – Willkommen in Deutschland“ mit anschl. Diskussion mit der Schauspielerin Demet GĂŒl (junge Fatma)
Do., 29. Nov. 2012  

Vortrag und GesprÀch mit Herrn Muhammad Salim Abdullah, Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland Stiftung e.V., Soest

Fr.,30. Nov. 2012  

GesprÀch mit Zeitzeugen

 

AnkĂŒndigung

Anzeiger1

AnkĂŒndigung der Projektwoche (Mehmet Tavus (Integrationsrat), Lehrer Christian Jatzek, Elena Schmidt (Jugendmigrationsdienst) Lehrer Klaus-Dieter Heitmann)

Eröffnung

Anzeiger2

Eröffnungsveranstaltung (Beatrix Pusch (Kreisarchiv Soest), Franz Naber (Integrationsbeauftragter der Stadt Ratingen), Schulleiter Herr Busch, LandrÀtin Eva Irrgang, Lehrer Klaus-Dieter Heitmann, Autorin Melda Akbas, Lehrer Christian Jatzek, Elena Schmidt (Jugendmigrationsdienst))

Lesung

Anzeiger3

Lesung Melda Akbas

 

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Autorin Melda Akbas

Ausstellung

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Rundgang durch die Ausstellung „Wege der Integration – tĂŒrkische Gastarbeiter im Kreis Soest“

Moschee

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Besuch der Moschee in Soest


Diskussionen

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Diskussion mit der Schauspielerin Demet GĂŒl

 

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GesprÀch mit Muhammed Salim Abdullah vom Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland Stiftung e. V. Soest

 

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GesprÀch mit Zeitzeugen

 

Die Zeitreise begann Anfang der 60er Jahre, als mit dem Abkommen zur Anwerbung die ersten tĂŒrkischen ArbeitskrĂ€fte mit dem Zug aus Istanbul kamen und dann auch die Reise nach Westfalen antraten. Damals riss der Bewerberstrom nicht ab. Wie ist es ihnen ergangen? Und was haben sie alles erlebt?

Die Jugendlichen fanden im Kreisarchiv Aufzeichnungen und Artikel, die sich so spannend Iesen wie ein Schmöker. Beatrix Pusch, die Leiterin des Kreisarchivs, half ihnen, Quellen zu erschließen und Lebensgeschichten zu entdecken. Einer der SchĂŒler fand in den Unterlagen ein Foto mit einem Gesicht, das ihm bekannt vorkam. Als er nĂ€her hinschaute, wurde ihm klar, dass es sich um seinen Großonkel handelt, einer der ersten Gastarbeiter bei der Bahn in Soest.

Nachdem im vorigen Jahr, ebenfalls als Integrationsprojekt,  die Ausstellung ,,Volk auf dem Weg“ mit der Lebenswelt und dem oft schwierigen Schicksal der Deutschen aus Russland im Blickpunkt stand, sind es diesmal die Familien vom Bosporus und aus dem Hochland Anatoliens, deren Vorfahren als ArbeitskrĂ€fte geholt wurden, die oft blieben, in der zweiten Heimat Fuß fassten und deren Kinder und Enkel langst im Kreis Soest heimisch sind. Mancher kehrte auch zurĂŒck.

Die SchĂŒler stellten eine Dokumentation zusammen, die sie wĂ€hrend der Projekttage vom 26. bis 30. November 2012 auf StellwĂ€nden in der Aula zeigten. Dabei richtet sich der Fokus ausschließlich auf die Region an Haar und Hellweg. ErgĂ€nzt wurden die Banner durch Biograen Ratinger Gastarbeiter, die beispielhaft fĂŒr andere stehen.

Und wie sieht es bei uns aus? Was erzahlen tĂŒrkisch-stĂ€mmige Soester? Was bedeutet dieses Eckchen Erde sie? Wo fĂŒhlen sie sich zu Hause? Was bewegt sie‘? Woran denken sie? DarĂŒber berichteten zum Abschluss der Projekttage einige Zeitzeugen.

Der Soester Integrationsrat und der Jugendmigrationsdienst der Arbeiterwohlfahrt unterstĂŒtzten die Aktion.

Ein Höhepunkt war der Besuch der jungen Bestseller-Autorin Melda Akbas.

„Ich bin glĂ€ubig. Wenn ich mal Kinder habe, werde ich sie auch zum Religionsunterricht schicken. Aber ich glaube nicht, dass ich ein Kopftuch tragen muss, um glĂ€ubig zu sein. Ich könnte auch niemals einen Mann heiraten, der das von mir verlangt. Das, woran ich glaube, findet man in vielen Religionen wieder. Es ist eigentlich mehr eine Art Wertanschauung."

Mit Melda Akbas ist dem Hubertus-Schwartz-Berufskolleg ein GlĂŒcksgriff gelungen. Anstatt zum Auftakt des Unterrichtsprojekts „Wege der Integration - tĂŒrkische Gastheiter im Kreis Soest“ einen Ă€lteren Integrationsbeauftragten vor den SchĂŒlern dozieren zu lassen, haben sie die 21-jĂ€hrige Jura-Studentin eingeladen, die vor zwei Jahren Aufmerksamkeit erregte mit ihrem Buch „So wie ich will - Mein Leben zwischen Moschee und Minirock". Eine selbstbewusste, hĂŒbsche junge Frau im Alter der SchĂŒler, in einem figurbetonten, kurzen Kleid und schwarzen StrĂŒmpfen - ihr Vater, der, wie sie erzĂ€hlt, ihr mal verbat, in einer engen Jeans das Haus zu verlassen, hĂ€tte das nicht gerne gesehen.

Mit starker PrĂ€senz aber ungezwungen und natĂŒrlich tritt sie vor den SchĂŒlern auf, liest Passagen aus ihrem Buch und ermuntert zur Diskussion: „Und wenn ihr mir keine Fragen stellt, komme ich zu Euch und stelle Euch welche." Letztlich bewahren die Lehrer ihre SchĂŒtzlinge davor, in dem sie das Gros der Fragen stellen. Die SchĂŒler hören konzentriert zu, viele kaufen sich im Anschluss ihr Buch.

„Man lebt zwischen zwei Welten, hat dauernd das GefĂŒhl, nicht dazuzugehören. Ich kann weder nur Deutsche noch nur TĂŒrkin sein, ohne mich selbst zu verleugnen. Und man verletzt seine Eltern, indem man so ganz anders ist als sie. Damit habe ich ihnen ein StĂŒck ihrer Welt genommen."

Die junge Frau erzĂ€hlt sowohl Heiteres, wie von der „Zeugungsfreude" ihrer weit verzweigten Familie, von der Tante, die nach fĂŒnf Jungs das ersehnte MĂ€dchen gebar und direkt einen eigenen Kindergarten eröffnete. Von den deutlich konservativeren MitschĂŒlerinnen in Berlin-Kreuzberg, bei denen sie mit ihrer westlichen Orientierung aneckte. MĂ€dchen, die zugleich Kopftuch trugen und heimlich einen Freund hatten, wĂ€hrend die Jungs in der Pause zum Beten und nach der Schule zum Kiffen gingen: „Aber dadurch leben die noch krasser zwischen den Welten als ich." Sie schildert die verschiedenen Arten der Diskriminierung. Und sie folgert: „Man ist nicht gut oder schlecht integriert, genau so, wie man auch nicht nur ein bisschen schwanger sein kann. Entweder, man ist integriert oder nicht."