"Ihr tragt Verantwortung"
Podiumsdiskussion im Hubertus-Schwartz-Berufskolleg zur trinationalen Woche "BrĂŒcken bauen" - SchĂŒler diskutieren mit hochrangigen Geistlichen Probleme und Unterschiede.
SolidaritĂ€t, Respekt und Frieden: Auf den StellwĂ€nden in der Aula es Hubertus-Schwartz-Berufskollegs finden sich diese Worte momentan gleich mehrfach wieder. Zwischen einem Foto eines jĂŒdischen Rabbis, eines muslimischen Imans und eines christlichen Pfarrers. Zwischen Fragen nach Gemeinsamkeiten und Problemen. Zwischen den Geboten und den typischen Symbolen der verschiedenen Glaubensrichtungen. Und inmitten der Ergebnisse der trinationalen Woche des Berufskollegs trafen gestern hochrangige Vertreter der Religionen aufeinander.

Die Lehrer Martina Schaub und Klaus Tiemann (v.l.) sowie Schulleiter Klaus Schubert (2.v.r.) haben die Podiumsdiskussion mit den hochrangigen jĂŒdischen, muslimischen und christlichen Geistlichen organisiert.
Soester Anzeiger, 10. September 2005, Text: arr, Foto: Dahm.
Den jĂŒdischen wie muslimischen GĂ€sten der Schule aus Bosnien-Herzegowina und Israel sowie den Soester SchĂŒlern ging es darum, die jeweils andere Religion nĂ€her kennen zu lernen und zu verstehen."Wie erklĂ€ren Sie sich, dass sich muslimische AttentĂ€ter auf den Koran berufen?", fragten die SchĂŒler beispielsweise Dr. Nadeem Elyas vom Zentralrat der Muslime in Deutschland. Die simple Antwort: "Diese Gefahr besteht immer, nicht nur im Islam. Jede Schrift kann missbraucht werden." Nicht nur Elyas, sondern auch der Weihbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann vom Erzbistum Paderborn, der Landeskirchenrat Dr. Rainer Dinger von der evangelischen Kirche von Westfalen und der ehemalige Landesrabbiner Henry Brandt setzten sich in ihren Antworten fĂŒr den Dialog der Religionen ein.
Alle Geistlichen bedauerten wieder aufkeimende Abschottungstendenzen", wie es Weihbischof Wiesemann nannte. "Nicht die Religionen sind das Problem, sondern die Verzahnung mit Politik, Geschichte" und anderem, gab Rabbi Brandt zu verstehen. Deshalb sei der Dialog so wichtig, sagte Brandt und gratulierte den SchĂŒlern zu ihrem trinationalen Austausch: "Keine Generation wird die Welt verĂ€ndern. Aber was ihr macht, ist groĂartig."
Eine Frage besonderer Art brannte den SchĂŒlern jedoch trotz aller GesprĂ€che unter den NĂ€geln: Was haben Jugendliche von heute mit der Schuld an den Verbrechen der Nazis zu tun? Brandt sprach sie frei und bezog sich dabei auf Richard von WeizsĂ€cker: "Ihr tragt keine Schuld. Schuld ist nicht vererbbar. Aber ihr tragt Verantwortung, vielleicht mehr als andere, dass so etwas hier bei uns nie wieder passiert. Wenn ich mich mit Mozart und Beethoven brĂŒste, muss ich mich auch mit den dunklen Kapiteln meiner Geschichte beschĂ€ftigen."
















