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„Pencilmania“ fördert jungen Unternehmergeist

Hubertus-Schwartz-Berufskolleg gründet Schülergenossenschaft / Erste im Kreis Soest und zweite auf NRW-Ebene


Setzen auf ihre Satzung: Die Schüler und Lehrer des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs mit den Partnern ihrer Genossenschaft „Pencilmania“. Foto: Dahm (Soester Anzeiger)

„Meinen Glückwunsch – ich habe schon Gründungsversammlungen gesehen, die chaotischer abliefen.“ Mit diesen Worten entließ Dr. Ilona Lange, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hellweg-Sauerland, ihre „lieben Genossinnen und Genossen“ in den harten Alltag des Unternehmertums. „Ich muss mich jetzt leider schon verabschieden. Ich muss noch ‘ne Klausur schreiben.“ Als Versammlungsleiterin Nadine Bauerdick den Saal verlässt, merkt man anhand ihrer Worte doch rasch wieder, wo man ist. Nicht im Saal eines börsennotierten Unternehmens, sondern in einer Schulaula: in der des Hubertus-Schwartz-Kollegs.

Dort gründete sich gestern Vormittag die Schülergenossenschaft „Pencilmania“. Dass dieses Projekt außergewöhnlich ist, erkennt man daran, dass es nicht nur das erste dieser Art im Kreis Soest ist, sondern auch gerade einmal das zweite auf NRW-Ebene. „Dies ist für uns ein denkwürdiger Tag“, ist Schulleiter Thomas Busch überzeugt, „dessen Tragweite Ihnen vermutlich selber noch nicht ganz bewusst ist. Denn es ist das erste Mal, dass in diesem Haus nicht bloß ein Musterunternehmen gegründet wird, das nur scheinbar und mit Scheinmitarbeitern zur Sache geht, sondern mit tatsächlichen Waren und Angestellten und auf diese Weise die große Chance nutzen kann, Erkenntnisse, die im realen Wirtschaftsleben unsere Spielregeln darstellen, direkt zu erfahren.“ Insofern geht natürlich alles keinen spielerischen Gang, sondern genau so, wie es auch im normalen Geschäftsleben der Fall ist.

Die Genossenschaft will den Hubertus-Schwartz-Schülern die Möglichkeit bieten, in der Schule Schreibwaren zu kaufen, zudem später noch „Merchandising- Produkte“ wie Tassen und Kugelschreiber mit dem Logo der Schule. Integriert ist das Projekt in die Jahrgangsstufe 12 der Höheren Handelsschule als Differenzierungskurs. Partner sind die Volksbank Hellweg mit Marketingleiterin Petra Golz und Personalleiter Meinolf Mersmann als „Gründungspaten“ sowie die Büroorganisation Strothkamp. Die Gründungsversammlung verlief präzise vorbereitet. Nacheinander wurden die Satzung präsentiert und abgenickt sowie Vorstand und Aufsichtsrat gewählt. In diesem Kontrollgremium sitzen vor allem Vertreter der Lehrerschaft und der Volksbank.

Die vorgeschlagenen Schüler fielen bei der Abstimmung durch, offenbar war es den jugendlichen „Genossen“ wohler bei dem Gedanken, dass ausschließlich Profis ein wachsames Auge auf die Geschäfte werfen. Nur selten musste Asmus Schütte, Vorstandsassistent des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands, eingreifen: „Aber das ist bei anderen Gründungsversammlungen auch so.“ Die „Pencilmania“ wird ihre Arbeit zunächst in einem leer stehenden Raum neben der Cafeteria aufnehmen. „Mein langfristiges Ziel ist es jedoch“, so Schulleiter Busch weiter, „dass sie in den ersten Stock ziehen.“ Dort gebe es einen „Glaskasten“, in dem einige historische Geräte ausgestellt sind und der zum Geschäftsraum mit Schaufenstern ausgebaut werden soll. 


Quelle: Soester Anzeiger 22.10.2011 (kb)




Ganz junge Genossen

Am Hubertus-Schwartz-Berufskolleg entsteht die erste Schüler-Genossenschaft

Vorstandsvorsitzende einer Genossenschaft unter sich: Manfred Wortmann von der Volksbank Hellweg (vorne rechts) sagte Julian Lindemann (2. von links) von der Schülergenossenschaft „Pencilmania" Unterstützung zu. Das Projekt stellten ferner vor (von links): Marius Lage, Lisa Luig (Schüler), Thomas Busch (Rektor), Meinolf Mersmann (Volksbank), die beiden Lehrerinnen Marion Hülsböhmer und Elke-Sabrina Heinemann, Referendarin Christiane Freise und Petra Golz (Volksbank). " Foto: Dahm (Soester Anzeiger)

SOEST • „Unsere Schüler haben einen Laden aufgemacht." Thomas Busch, Rektor des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs, lächelte gestern bei der Präsentation der „Pencilmania". Aber es ist nicht irgendein Laden. Schülerfirmen gibt es schon eine Reihe in Soest. Am Kolleg selber wirtschaften die Schüler seit Jahren schon in diversen Firmen - aber nur in der Theorie. Pencilmania ist die erste Schülergenossenschaft im Kreis Soest und vermutlich auch in NRW, Pate ist dabei die Volksbank Hellweg. „Bei dieser sehr alten und dennoch hochmodernen Geschäftsform kennen wir uns nämlich sehr gut aus", unterstrich Manfred Wortmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Hellweg, die selber eine Genossenschaft ist. Pencilmania arbeite „scharf“.

Das bedeutet, dass es zunächst am 14. Oktober eine Gründungsversammlung der Genossenschaft gibt, auf der die 18 Gründungsgenossen ihr Konzept vorstellen. Ein Vorstand wird gebildet und dazu ein Aufsichtsrat. In dem sollen auch Wirtschaftsvertreter aus der Region sitzen. Dann heißt es, Genossen zu werben. Der designierte Vorstand hat bei einer Marktanalyse festgestellt, dass bis zu 350 Schüler potenzielle Genossen sind. Sie zahlen eine Einlage von fünf Euro und haben so Vergünstigungen beim Einkauf durch Rabatte. Auch das Geschäftsfeld steht fest. „Wir haben bemerkt, dass es einen steten Bedarf gibt für Unterrichtsmaterialien, etwa Stifte, Blöcke und mehr", berichtet Julian Lindemann von der designierten Geschäftsführung. Und es soll Produkte geben, die zur Schule passen, etwa Tassen mit dem Schullogo und mehr. Einen hiesigen Lieferanten für den Unterrichtsbedarf haben die Geschäftsführer schon gefunden. Die Lieferanten für die Merchandising-Produkte, etwa die Tassen, werden noch gesucht. Da bauen die Schüler auch auf die Erfahrungen ihrer Lehrerinnen Marion Hülsböhmer, Elke-Sabrina Heinemann und Referendarin Christiane Freise. Die macht sich übrigens in ihrer Staatsexamensarbeit Gedanken, wie solche offenen Unterrichtsformen benotet werden können. Natürlich muss noch viel mehr gemacht werden.

Da geht es um Bestellungen, Lagerhaltung, Steuererklärungen, Lohnbuchhaltung, Kalkulationen, Qualitätskontrollen, Werbung, Genossenschaftliches - die ganze Palette eines solchen Unternehmens wird verlangt. „Gute Ratschläge kann jeder geben. Aber Verantwortung tragen wie hier ist keine leichte Sache und sehr spannend bei dieser Firma", lobte Wortmann. Der Geschäftsplan der Schülergenossenschaft wird deshalb vom Genossenschaftsverband der Volksbanken genau geprüft. Schließlich soll das Unternehmen ein Erfolg werden und auch auf Dauer bestehen. Darauf machte Volksbank-Personalleiter Meinolf Mersmann aufmerksam. Und Marketingleiterin Petra Golz versprach jede erdenkliche Unterstützung. „Aber fragen müssen die Schüler schon selber."


• kf (Soester Anzeiger vom 28. September 2011)