Kalender
Uhrzeit
Praxisberichte Fremdsprachenassistenten (2 j.)
hsbk-logo
hsbk-logo

 

Auf den Spuren der Mary Rose

Praktikum einer angehenden Fremdsprachenassistentin rund um ein Schiff aus der Zeit der Tudors

Gerke 2017

24. Oktober 2016, Portsmouth in SĂŒdengland, Mary Rose Museum: Anna Gerke, Praktikantin im Bildungsgang KaufmĂ€nnische Fremdsprachenassistentin des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs in Soest, mischt sich unter die Besucher. Sie absolviert die letzten Tage ihres vierwöchigen Oktoberpraktikums und befindet sich mit einer Übersetzungsarbeit in den letzten ZĂŒgen. Jetzt, um 10.00 Uhr morgens, herrscht die Ruhe vor dem Sturm in den AusstellungsrĂ€umen. Es ist still um das fast 500 Jahre alte Kriegsschiff von Henry VIII. mitsamt seinen BesitztĂŒmern, das vor mehr als 30 Jahren in einer spektakulĂ€ren Bergungsaktion vom Meeresboden emporgehoben wurde. Nachdem es bei einer englisch-französischen Schlacht im Jahre 1545 unterging, schlummerte das Wrack mehr als 400 Jahre in Schlick und Geröll, was seiner Beschaffenheit und den auf ihm befindlichen Objekten keinen Abbruch tat - im Gegenteil, 19.000 Artefakte gehören zum Inventar des Schiffes. Als Praktikumsstelle einer angehenden Fremdsprachenassistentin eine ungewöhnliche, aber umso beeindruckendere Materie.

Das historische Interesse der Praktikantin kommt ihr zugute, als sie mit einer Übersetzungsarbeit betraut wird: um auch internationalen Besuchern die Museumsinhalte in all ihrer Brisanz und ihrem Informationsgehalt nĂ€her zu bringen, arbeitet das Dolmetscherteam an einem „Audio Guide“. Die wichtigsten Details ĂŒber die Mary Rose, ihren tragischen Untergang und das Leben der Crew an Bord des Schiffes galt es, zu ĂŒbersetzen. Dank eingehender ÜbersetzungsĂŒbungen in der Schule gingen der deutschen Praktikantin diese TĂ€tigkeiten leicht von der Hand; bei einigen spezifischen AusflĂŒgen in die Schiffsnautik machte sie sich zunĂ€chst selbst mit dem Objekt vertraut, um es Besuchern in kompakter und verstĂ€ndlicher Form zu erklĂ€ren – schließlich gehören „KrĂ€hennest“ oder „Hornnocke“ nicht zwingend zum allgemeinen Sprachgebrauch. Nachdem sie den Text schriftlich fertiggestellt hatte, stand das Aufnehmen des deutschen Texts auf dem Programm. „Dies war eine völlig neue Erfahrung fĂŒr mich; in Zukunft werden deutsche Besucher meine Stimme hören, wenn sie die Ausstellung besichtigen.“

Neben der persönlichen Erfahrung reizte die Praktikantin an diesem Projekt auch die Chance, an dieser „einzigartigen Unternehmung“ mitzuwirken und einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Kundenservice zu leisten. ZusĂ€tzlich bekam sie Einblicke in jegliche kaufmĂ€nnische AblĂ€ufe, die im Museum aus betriebswirtschaftlicher Sicht anfallen. An der Seite einer Kollegin lernte sie, wie mit den Wocheneinnahmen verfahren wird oder wie KĂ€ufe im museumsinternen Shop bilanziert werden. Auch wohnte sie einer Konferenz der Manager bei und fĂŒllte Evaluationsbögen mit Besuchern aus.

Im Curriculum der zweijĂ€hrigen Ausbildung zur KaufmĂ€nnischen Fremdsprachenassistentin ist das Absolvieren zweier jeweils vierwöchiger Praktika Pflicht. Dabei entscheiden die SchĂŒlerInnen, wo sie die betriebswirtschaftlich orientierte Arbeit hinfĂŒhrt. NatĂŒrlich wird der Aufenthalt im englisch- oder spanischsprachigen Ausland empfohlen – beide Sprachen bilden elementare StĂŒtzen des Bildungsganges. Und so entschied sich auch die Praktikantin kurz nach Beginn der Ausbildung vor gut einem Jahr fĂŒr einen Praktikumsmonat in England. UnterstĂŒtzt durch das Förderprogramm Erasmus + erlebte sie vier Wochen in einer englischen Gastfamilie. Dies rundete den Lernaufenthalt ab und war sowohl in persönlicher als auch in kultureller Hinsicht eine große Bereicherung. Auch die junge UniversitĂ€tsstadt Portsmouth gefiel der 20-JĂ€hrigen gut. „Nicht ein einziges Mal fĂŒhlte ich mich als AuslĂ€nderin; ich habe viele nette Menschen kennengelernt und mich wohlgefĂŒhlt.“ Ob sie den Aufenthalt in England weiterempfehle? WĂ€rmstens, allerdings steht zu befĂŒrchten, dass das Programm in dieser Form in Zukunft – man bedenke das Brexit-Votum - bestehen kann. Gerade arbeitet die Schule an einer Kooperation mit Irland, um ihren SchĂŒlern weiterhin die Erfahrung im englischsprachigen Ausland zu ermöglichen.


Foto: privat - Anna Gerke, FA 15