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Praxisberichte Fremdsprachenassistenten (2 j.)
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Praktikum bei der Deutsch-Indischen Handelskammer

Mein vierwöchiges Abenteuer begann am 29.2.2008 am Düsseldorfer Flughafen. Bei gefühlten 0° stieg ich aufgeregt in das Flugzeug nach Indien. Dort, das wusste ich, würden mich nicht nur andere klimatische Verhältnisse erwarten.
Über Paris ging es in neun Stunden nach Bangalore. Eine Stadt, die auf einem Hochplateau mitten in Südindien liegt.
Wie erwartet war es hier sogar um zwei Uhr nachts immer noch sehr warm. Schon auf dem Weg zum Taxistand machte ich Bekanntschaft mit zahlreichen hilfsbereiten Menschen, die um mich herumschwirrten, um meinen einzigen Koffer die hundert Meter zum Taxistand zu tragen.

Dort erwartete mich mein Fahrer, der mich zu meinen Gasteltern fuhr.

Die Fahrt hatte mir gezeigt, wie chaotisch die Verkehrsverhältnisse in Bangalore sind. Busse, Auto-Rikshawsund Vespas teilen sich hupend die Straße oder auch mal den Bürgersteig. Und Rinder sind aus dem Stadtbild nicht wegzudenken.

In meiner ersten Nacht in Indien machte ich erneut Bekanntschaft mit weiteren Einheimischen: Moskitos. Mein erstes Geld auf indischem Boden investierte ich deshalb nicht nur in Lebensmittel, sondern auch in Anti-Juckreiz-Salbe und Mückenfallen.
Am nächsten Morgen begann mein Praktikum bei der Deutsch-Indischen Handelskammer, die in einem vierstöckigen modernen Gebäude mitten in der Innenstadt liegt.

Meine Aufgabenfelder umfassten die Verwaltung, Marketing und Public Relations.
Ich durfte selbststän

dig „Fälle“ bearbeiten und mit den verschiedensten Kunden Kontakt aufnehmen. Außerdem gehörte die Übersetzung von Formularen zu meinen Aufgaben. In den vier Wochen habe ich viel über Urkunden und Zeugnisse gelernt.
Indische Heiratsurkunden waren besonders interessant, weil sie ein wenig von der Kultur widerspiegelten.

So wird erst kirchlich, also nach Hindubrauch, und dann standesamtlich geheiratet.

Auch bei besonderen Terminen durfte ich mitarbeiten. Eine Präsentation für die Internationale Luft- und Raumfahrt Ausstellung (ILA) im Mai in Berlin oder die Eröffnungsfeier für den Science Train waren die Höhepunkte. Der Science Train war im Oktober 2007 von Kanzlerin Angela Merkel in Delhi auf seine Reise durch ganz Indien geschickt worden und war nun in Bangalore. In den Laborwagon konnten die Besucher Experimentieren.
Interessant waren auch meine Eindrücke aus dem Familienleben meiner Gastfamilie.

In Indien ist es üblich, auch während des Studiums und den ersten Anstellungen im Hause der Eltern wohnen zu bleiben. Meine Erzählungen, dass ich schon einen eigenen Haushalt habe, erstaunte meine

indische Familie. Auch das Essen ist zuerst gewöhnungsbedürftig. Geschmacksextreme wie scharf und sehr süß sind sehr beliebt. Schon morgens gibt es mehrere Currys mit Pfannekuchen aus

Reis- und Kichererbsenmehl, sogenannten Dosas. Auch Mittags und Abends gibt es Curry aber diesmal mit Reis oder Chapatis. Das sind dünne Vollkornfladen aus Weizenmehl und Wasser, also sehr kalorienarm.
Eigentlich ist es unglaublich, aber ich blieb während meiner Zeit in Indien von der Tourismuskrankheit Durchfall verschont.

Auch für Besichtigungen hatte ich neben meiner Arbeit noch viel Zeit und besichtigte Sehe

nswürdigkeiten in Bangalore auf eigene Faust. Dazu gehören der Lal Bagh Garden, viele Tempel, das neue imposante Regierungsgebäude und der Palast des aktuellen Maharadschas. Einkaufen kann mal auf der Mahatma Gandhi Road oder der Commercia

l Street, die abends mit vielen bunten Lichtern lockt.

Einen weiteren Besuch stattete ich u.a. der nahegelegenen Stadt Mysore ab.
Viele Tempel, der sehr imposante Mysore Palast, ein Zoo, der bekannt für seine Löwen und Tiger ist und ein großer Garten mit unzähligen Wasserläufen und -spielen bildeten das Besichtigungsprogramm.

Über Ostern fuhr ich mit dem Nachtbus in das 300 Kilometer entfernte Mangalore. Nach acht Stunden erreichte ich die Stadt an der Küstenregion, in der unzählige Palmen das Stadtbild prägen.

Und nochmal machte ich Bekanntschaft mit der indischen Tierwelt: Ein Mungo, ein katzenartiges Tier mit kurzen Gliedmaßen (Rikki-Tikki-Tavi aus dem Dschungelbuch), kämpfte mit einer Schlange. Diese Beobachtung ist eins von vielen Erlebnissen, an dass ich mich jetzt zurück in Deutschland gerne

erinnere.

Vier Wochen Praktikum in Indien waren einfach spannend und sehr lehrreich.


 

Ina M. Pagenkemper