Ein Netzwerk fĂŒr Europa
Vier Europaschulen des Kreises wollen enger zusammenarbeiten
SOEST / LIPPSTADT Sie pflegen Partnerschaften mit Schulen in Schweden und Griechenland, Wales und Russland, schicken ihre Schuler zum Austausch nach Frankreich und Lettland oder zum Praktikum nach Irland und Spanien, bieten bilinguale Zweige oder Europaklassen an: Die vier weiterfĂŒhrenden Europaschulen im Kreis Soest - mit etwa 7000 SchĂŒlern - verfĂŒgen ĂŒber vielfĂ€ltige Möglichkeiten, junge Menschen fit fĂŒr Europa zumachen.

âNetzwerk mit Modellcharakter": Die Schulleiter Gaby LĂŒtkehellweg (Ostendorf-Gymnasium), Martin Fischer (Aldegrever-Gymnasium), Michael Flore, Vize des Lippe-Berufskollegs, und Thomas Busch, Direktor des Hubertus-Schwartz-Berufskollegs (von links), unterzeichneten in Lippstadt die ErklĂ€rung zur Kooperation der vier Europaschulen. Foto: Krumat (Soester Anzeiger)
Jetzt haben Martin Fischer (Soester Aldegrever-Gymnasium), Thomas Busch (Soester Hubertus-Schwartz-Berufskoleg), Gaby LĂŒtkehellweg (LippstĂ€dter-Ostendorf-Gymnasium) und Michael Flore (Vize des Lippe-Berufskollegs in Lippstadt) ein Netzwerk gegrĂŒndet, um âin der Region ein starkes Standbein fĂŒr europĂ€ische Bildung zu entwickeln", wie es in einer jetzt in Lippstadt unterzeichneten Kooperationsvereinbarung heiĂt.
Einen Tag nach der eindrucksvollen Trauerfeier in Paris, die auch und vor allem eine Demonstration fĂŒr das europĂ€ische Wertesystem war, besiegelten die vier Schulleiter die Zusammenarbeit. Informationen austauschen, gemeinsame Aktionen planen, bei EU-Programmen zusammenarbeiten, anderen Schulen Hilfestellungen geben und weitere Netzwerkpartner gewinnen - das sind die in der ErklĂ€rung genannten Schwerpunkte. Ziel ist es, dass sich möglichst viele junge Leute durch persönliche Kontakte âin den europĂ€ischen Integrationsprozess einbringen" können.
Hinsichtlich der Zahl der offiziell anerkannten Europaschulen sieht Thomas Busch noch reichlich Luft nach oben. âDer Kreis Soest ist da etwas stiefmĂŒtterlich", sagte der Rektor des Soester Berufskolleg, das im Jahr 2007 das erste Berufskolleg war, das sich das Siegel der âEuropaschuleâ sicherte. Viele Schulen wĂŒrden sich zwar sehr wohl inhaltlich fĂŒr Europa engagieren, scheuten aber den bĂŒrokratischen Aufwand, der mit EU-Programmen oder etwa einer offiziellen Anerkennung als Europaschule verbunden sei, meint Busch: âDas macht man nicht mal eben so nebenbei."
Nur wenige Schulen sind Europaschule
Und so gibt es kreisweit keine einzige Grundschule, keine Real-, Haupt- oder Gemeinschaftsschule mit diesem entsprechenden PrÀdikat. Nur noch die Don-Bosco-Schule in Lippstadt, Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, ist offiziell Euopaschule.
"Daher sollen im Netzwerk nicht nur die beteiligten Gymnasien und Berufskollegs voneinander lernen und Erfahrungen bei
Auslandskontakten und Finanzierungsmöglichkeiten nutzen. Auch könnten weitere Schulen, die sich verstĂ€rkt auf den Weg nach Europa machen wollen, NutznieĂer des Netzwerks sein und von den Kontakten und Beziehungen profitieren - sei es bei Auslandspraktika oder bei den bis zu 100 Seiten starken ProjektantrĂ€gen.
âDas Netzwerk ist Gold wert", sagte Christoph Niggemeier, im Soester Kreishaus Ansprechpartner fĂŒr kreisweit 130 Schulen in Sachen Europa. Martin Fischer, bis zu seinem Wechsel ans Soester âAlde" Vize am LippstĂ€der Ostendorf-Gymnasium: âMan muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden." Auslandspraktika seien etwa fĂŒr Gymnasien âein Riesenproblem", so Fischer. Das laufe heute ĂŒber Kontakte einzelner Familien.
Dank Netzwerk (âDas hat Modellcharakterâ) könnten die Schulen von den Erfahrungen der Berufskollegs profitieren.
Bessere Berufsaussichten
Jeder zweite SchĂŒler, schĂ€tzt Fischer, hat im Lauf seiner achtjĂ€hrigen Gymnasiallaufbahn mit Europaprojekten zu tun. Und auch
Unternehmen hĂ€tten groĂes Interesse an einer europĂ€ischen Ausrichtung der Ausbildung. Thomas Busch: âDie SchĂŒler haben damit deutlich bessere Berufsaussichten." Zudem wirke sich die Selbstverpflichtung Richtung Europa auch positiv aufs Schulklima aus. InternationalitĂ€t, PluralitĂ€t und Offenheit seien im Schulalltag spĂŒrbar. Ein SchĂŒler habe das mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht: âHier ist es cool, wenn man andere Wurzeln hat."
hei Soester Anzeiger 16.01.2015
Vorreiter in Sachen Europaschule
Das Hubertus-Schwartz-Berufskolleg zÀhlte landesweit zu den ersten zertifizierten Schulen
SOEST âą Das Hubertus-Schwartz-Berufskolleg erhielt am 7. Februar 2008 seine Zertifizierung als Europaschule. Diese Auszeichnung, wurde dem Soester Berufskolleg gemeinsam mit 21 weiteren Schulen aus Nordrhein-Westfalen im Rahmen eines offiziellen Festaktes des Ministeriums fĂŒr Schule und Weiterbildung in Essen ĂŒberreicht. âDas haben wie keinen Tag lang bereut", erklĂ€rt Schulleiter Thomas Busch. Die Weltwirtschaft werde immer globaler, da sei es fĂŒr die SchĂŒler auch wichtig, sprachlich gut aufgestellt zu sein und einen lĂ€ngeren Auslandsaufenthalt oder Auslandspraktika vorweisen zu können. Die Schule reagiert auf wachsende Anforderungen in der Berufswelt und VerĂ€nderungen durch Entwicklungen innerhalb der EU sowie globaler Vernetzung. âJedes Jahr schicken wir zwischen 60 und 80 unserer Auszubildenden in die von der EU geförderte Praktika", so Busch. Die Partnerschaften mit Schulen in Frankreich, Spanien, Holland und DĂ€nemark sind dabei hilfreich. âDenn die SchĂŒler sollen dort nicht nur arbeiten, sondern auch die Menschen und die Kultur dort kennen- und schĂ€tzen lernen", sagt Busch. Am Anfang seien viele Betriebe im Kreis Soest nicht davon begeistert gewesen, ihre Auszubildenden in Auslandspraktika zu schicken. âDoch das ist heute zum GlĂŒck ganz anders, und die Firmen erkennen auch den Mehrwert fĂŒr ihr eigenes Unternehmen." Am Hubertus-Schwartz-Kolleg können Auszubildende zu GroĂ- und Industriekaufleuten auch die Zusatzqualifikation âEuropakaufleute" erwerben. Die findet ĂŒber zwei Jahre lang samstags und an Abenden statt und beschĂ€ftigt sich mit internationalen GeschĂ€ftsprozessen und Sprachen. Engen Kontakt pflegt die Schule ĂŒber das âComenius-Regio-Projekt" mit Vichy in Frankreich. Regionen und, Schulen arbeiten gemeinsam an dem Thema âIntegration von Migranten durch Ausbildung."
agu Soester Anzeiger 16. Januar 2015
















