âIch beneide euch â ihr seid jung und ihr seid frei!â
Stasi-Opfer Karl-Heinz Richter zieht SchĂŒler des Hubertus-Schwartz-Berufkollegs in seinen Bann.
Herr Richter versuchte am 30. Januar 1964 im Alter von 17 Jahren eine spektakulÀre "Republikflucht" aus der DDR. Er entwickelte einen Plan, in dem er in Ostberlin auf den fahrenden Moskau-Paris-Express aufspringen wollte, um ihn beim Halt auf Westberliner Gebiet verlassen zu können. Beim Fluchtversuch wurde er entdeckt und verletzte sich schwer, er brach sich unter anderem beide Beine und einen Arm. Da drei seiner Freunde auf diesem Weg schon erfolgreich geflohen waren und weitere folgen sollten, gab Karl Heinz Richter der Staatssicherheit die FluchtplÀne nicht bekannt.

17 Freunde konnten daraufhin aus der DDR fliehen. Der Preis fĂŒr diesen Mut Karl Heinz Richters war eine sechsmonatige Haft unter unmenschlichen Bedingungen in Stasi-GefĂ€ngnissen, wo auch seine Verletzungen bis zuletzt nicht versorgt wurden. Am 27. Juli 1964 wurde Karl-Heinz Richter nach monatelanger Folter auf Druck westlicher Medien freigelassen und verbrachte die nĂ€chsten 18 Monate im Krankenhaus, um seine Verletzungen auszukurieren. Zwei Jahre spĂ€ter wurde er jedoch noch einmal fĂŒr lĂ€ngere Zeit aus politischen GrĂŒnden inhaftiert.
Karl-Heinz Richter versteht es, seine Leidensgeschichte in den HĂ€nden des Staatsapparates der DDR so lebendig und anschaulich zu schildern, dass er mit seinen AusfĂŒhrungen die anwesenden SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die alle nach dem Fall der Berliner Mauer geboren wurden, in seinen Bann ziehen konnte. Die authentischen Darstellungen wĂŒrzte Herr Richter trotz der teilweise schockierenden Schilderungen mit einer unnachahmlichen Prise Humor, die das Grauen fĂŒr das Publikum nicht unertrĂ€glich werden lieĂ. Trotzdem war die Betroffenheit zu spĂŒren und mehr als ein Taschentuch wurde herausgesucht, um diese Betroffenheit wegzuwischen.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler die Gelegenheit, vielfĂ€ltige Fragen zu stellen. So wurde die Veranstaltung abgerundet durch weitere Einblicke in die deutsch-deutsche Geschichte und den aktuellen Bezug zu Menschenrechten und Datenschutz im Internet.
Mehr von Karl-Heinz Richter gibt es auf www.moskau-paris-express.de und der Netzseite der Stiftung Hohenschönhausen www.stiftung-hsh.de zu sehen.
SDM
















